Selbstwert & Beziehung

Teil 2 – Eifersucht

Geringer Selbstwert – Warum das Ihrer Beziehung schadet und was Sie dagegen tun können

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. FRANZ GRILLPARZER, SCHRIFTSTELLER

Ich kann mich beim Blogartikel schreiben nicht entscheiden, ob ich SIE oder DU als Ansprache nehme, das hast Du in den letzten Blogartikeln vielleicht schon beobachtet. Heute entscheide ich mich mal wieder für das DU.

Die Eifersucht – Teil 2 der Serie Selbstwert und Beziehung

Was ist eigentlich Eifersucht? Grillparzer beschreibt es als etwas Leidenschaftliches, das Menschen mit viel Eifer antreibt, um am Ende doch nur Leiden zu erzeugen. Leiden bei sich selbst und Leiden auch bei den geliebten PartnerInnen, FreundInnen, Ehefrauen und -männern. Ist die Eifersucht wirklich so schlimm und treibt Menschen in ihr unabwendbares Schicksal, zu zerstören, was man eigentlich liebt?

Die Eifersucht ist nicht so schlimm, wie ihr Ruf!

Es gibt sie, die gesunde Eifersucht. Sie gehört in Liebesbeziehungen, wie das richtige Mass Salz in die Suppe. Sie ist auch ein ganz normaler, psychosozialer Vorgang. Wenn mir jemand wichtig ist und ich diesen Menschen nicht verlieren möchte, dann empfinde ich eine gewisse Angst, wenn ich mein Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit in Gefahr sehe. Und das ist auch gut so. Herr L. war geschmeichelt von der Eifersucht seiner Frau. Es gab ihm das Gefühl, dass ihr viel an ihm und ihrer gemeinsamen Beziehung liegt. Dass er ihr wichtig ist. Dass er etwas Besonderes für sie ist. Dass er attraktiv für sie ist und er sah sich veranlasst, auch seiner Frau zu zeigen, wie viel sie ihm bedeutet. Sich in Beziehungen sicher und gemeinsam zu fühlen ist essentiell! Und dieses Gefühl von gemeinsam, sicher und vertraut, vielleicht sogar geborgen wollen wir behalten und beschützen. Auf keinen Fall verlieren! Gesunde Eifersucht hält Beziehungen lebendig. Zu bemerken, dass der Partner / die Partnerin auch von anderen als attraktiv wahrgenommen wird, kann einerseits Stolz und Freude hervorrufen, andererseits auch Angst, diesen wertvollen Menschen zu verlieren. Die Nahrung, die diese Eifersucht braucht, um uns mächtig zu manipulieren und unserer Beziehung zu schaden ist unser geringes Selbstwertgefühl. Je mehr wir an uns zweifeln, je weniger wir imstande sind, unseren Wert zu erkennen, umso mehr wird die Eifersucht gefüttert.

Ein geringer Selbstwert füttert Deine Eifersucht

Es sind abwertende Gedanken in uns selbst, die uns dazu treiben, anzunehmen, wir wären für unser(n) PartnerIn nur zweite Wahl. Es sind Gedanken wie Ich bin nicht gut genug Ich bin nicht schön genug Ich bin nicht schlank genug Ich bin nicht intelligent genug Ich bin nicht wissbegierig genug Ich bin zu wenig unternehmungslustig Ich bin zu aktiv Ich bin nicht so gesellig Ich koche nicht gut Ich bin zu unordenltich Mein Job ist nicht wertvoll Ich verdiene zu wenig . .

Einengende und abwertende Gedanken uns selbst gegenüber.

All diese Gedanken führen dazu, dass wir unweigerlich denken: „So jemand wie ich kann doch gar nicht geliebt werden, kann doch gar nicht an erster Stelle stehen. Ich muss gut aufpassen, dass er/sie mir nicht davonläuft, sich neu verliebt, bemerkt, dass ich gar nicht so toll bin.“ Lies nochmal all die Beispiele für negative, abwertende Gedanken. Bemerkst Du, dass sie alle ein Ziel haben? Sie machen Dich wertlos und klein. Sie sagen: “Streng Dich an, so wird das nichts. Von allem, was Du sein könntest bist Du zu wenig! So bist Du nicht liebenswert! Andere können das alles besser!” Das Gemeine ist, diese Gedanken sagen nichts darüber, was genau genug von was auch immer ist. Ja, wer bestimmt denn, ob jemand zuviel von etwas oder zu wenig von etwas ist? Wer? In diesen Gedanken geht es nicht darum, Dich zu einem besseren, erfolgreicheren Menschen zu machen. Diese Gedanken sind dazu da, Dich anzulügen und in dem kleinen Gefängnis zu halten, in dem Du bist, wenn Du diese Aussagen glaubst.

Beispiel aus der Praxis

Frau K. war immer sehr bemüht, alles Recht zu machen. Was Recht war, gab Ihr Stiefvater vor. Er hatte keine lieben Worte für sie übrig, sondern verurteilte jedes Tun des damals kleinen Mädchens. Brachte Sie eine gute Note nach Hause, hätte sie noch besser sein können. Hatte sie im Sport den 2. Platz belegt, hätte sie auch Erste sein können. Hatte sie gekocht, hörte sie, dass sie noch viel zu lernen habe. Ihre Figur sei zu kurvig, wie das nur aussehe, ihre Schuhe nicht gut genug geputzt. Es war nie genug. Sie war nie genug, egal, was sie auch unternahm. Später heiratete sie einen Mann, der sie auf genau die gleiche Weise behandelte, wie ihr Vater damals. Nach einigen weiteren Jahren brach Frau K. zusammen und erlitt ein Burnout mit längerem Klinikaufenthalt. Heute, 5 Jahre danach, ist sie kein neuer Mensch, aber einer der das Leben und sich selbst zu nehmen gelernt hat, wie es ist. Diese einengenden und verletzenden Gedanken kennt sie zwar immer noch, jedoch sind sie zu einem sehr kleinen Anteil von ihr geworden, der einem fürsorglichen und wohlwollenden Anteil für sie selbst gewichen ist. Verlustangst und Eifersucht sind minimal und händelbar geworden. Sie weiss, diese sind unrealistisch und falsch und kann heute ihre Gesamtheit sehen und sich an ihren Talenten und dem, was sie ist, erfreuen. Ab und zu gibt es einen Eifersuchtsstachel. Heute weiss sie, wie sie diesem gemeinsam mit ihrer neuen Liebe begegnen kann.

Deine negativen Gedanken sind nur EIN TEIL VON DIR

Diese abwertenden und einengenden Gedanken sind nur ein Teil von Dir. Und: Sie sind nicht wahr und völlig unrealistisch. Löse Dich von einem “ZU VIEL” oder “ZU WENIG”. Finde heraus, was genau Dich zu einem besonderen und wertvollen Menschen macht und ersetze diese irreführenden Gedanken. Du bist soviel mehr als das!

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